{"id":613,"date":"2011-02-12T13:54:34","date_gmt":"2011-02-12T12:54:34","guid":{"rendered":"http:\/\/randyridder.de\/block\/?p=613"},"modified":"2011-02-12T13:54:34","modified_gmt":"2011-02-12T12:54:34","slug":"o-ton-vs-synchro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/2011\/02\/12\/o-ton-vs-synchro\/","title":{"rendered":"O-Ton vs. Synchro"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder st\u00f6\u00dft man auf S\u00e4tze, wie &#8222;guck dir das lieber im Original Ton an&#8220; oder &#8222;die Synchronisierung ist total misslungen&#8220;.<\/p>\n<p>Doch welche Faktoren spielen hier mit rein?<\/p>\n<p><strong>Schauspieler:<\/strong><\/p>\n<p>Im Originalton h\u00f6rt man die Stimmen der Schauspieler. Wenn ein Film in eine andere Sprache \u00fcbersetzt wird, werden andere Schauspieler oder Sprecher in ein Tonstudio bestellt, die dann neben der \u00dcbersetzung auch noch darauf achten m\u00fcssen, dass es so aussieht als ob die zu \u00fcbersetzende Person auch wirklich gerade das Nachvertonte spricht, was manchmal recht schwierig sein kann. Es gibt auch viele verdammt gute Schauspieler, die es verstehen sich in Situationen hineinzuversetzten, die man nur seeehr schwer imitieren kann, was ja der Job des Synchronsprechers ist. Dazu kommt nat\u00fcrlich noch, dass der Synchronsprecher nicht die gleiche Stimme hat und somit ein ganz anderen Charakter in die Synchro bringt. In seltenen F\u00e4llen (z.B. Arnold Schwarzenegger) werden diese Stimmen auch im Original durch Synchronsprecher ersetzt, doch dies ist eher die Ausnahme.<\/p>\n<p><strong>Athmosph\u00e4re:<!--more--><\/strong><\/p>\n<p>Im O-Ton wird die Athmosph\u00e4re des Sets einfach mit aufgenommen und die Stimme gegebenenfalls noch mit Richtmikros zus\u00e4tzlich aufgenommen. Bei einer Synchronisation wird entweder eine Athmosph\u00e4re hinzugef\u00fcgt (da ja bei Verwendung der Original-Athomsph\u00e4re noch die Original-Stimmen zu h\u00f6ren w\u00e4ren) oder im allerschlimmsten Fall einfach weg gelassen.<\/p>\n<p>Die Darsteller des Films (oder was auch immer) sind der Umgebung ausgesetzt und verhalten sich auch dementsprechend. Der Sprecher der in einem Studio steht und die Umgebung lediglich sieht muss sich also erst in die Situation hineinversetzten und so tun als ob er am Drehort w\u00e4re. Wenn nun also z.B. ein Hintergrundger\u00e4usch \u00e4tzend laut ist, so muss der reale Darsteller sehr laut sprechen oder sogar schreien, um im L\u00e4rm nicht unterzugehen. Dazu kommt noch die Interaktion mit anderen Darstellern, welche mit Ber\u00fchrungen und Augenkontakt gekn\u00fcpft sind. All diese Faktoren muss der Synchronsprecher anhand der Bilder inszenieren. Erschwerend f\u00fcr die Synchro ist auch, dass oftmals die Athmosph\u00e4ren der &#8222;\u00dcbersetztung&#8220; erst ganz am Schluss hinzugef\u00fcgt werden, wenn die Synchronisation bereits abgeschlossen ist.<\/p>\n<p><strong>Wortspiele und \u00dcbersetzungsfehler:<\/strong><\/p>\n<p>Im O-Ton gibt es hin und wieder Wortwitze, die entweder gar nicht \u00fcbersetzt werden k\u00f6nnen oder wegen fehlendem Budget oder Schlampigkeit erst gar nicht ber\u00fccksichtigt werden. So kann es zu scheinbar unsinnigen Dialogen kommen, die v\u00f6llig zusammenhangslos erscheinen. In einigen F\u00e4llen werden bei der Synchro sogar als Ausweg ganz andere Sachen erz\u00e4hlt, da erkannt wurde, dass sich etwas nicht \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Auch werden ab und zu Dinge \u00fcbersetzt, die eigentlich gar nicht \u00fcbersetzt werden brauchen. Z.B. k\u00f6nnte es mal passieren, dass &#8222;ok&#8220; in &#8222;gut&#8220; \u00fcbersetzt wird, weil die \u00dcbersetzer etwas \u00fcbereifrig ans Werk gehen und ein m\u00f6glichst korrektes Deutsch erzeugen wollen. Dies f\u00fchrt dann dazu, dass Umgangssprache zu Hochdeutsch wird und somit gleichzeitig die Stimmung der Szene eine ganz andere ist.<\/p>\n<p>Wenn der Zeitdruck es so will kann sich dann auch schon mal ein Fl\u00fcchtigkeitsfehler einschleichen, was wieder zu unsinnigen Dialogen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p><strong>Dosenlacher:<\/strong><\/p>\n<p>Bei Comedy-Serien lachen manchmal Leute die am Set, w\u00e4hrend der Aufnahme im Studio, dabei sind. Da man diese Lacher unm\u00f6glich von den Originalstimmen trennen kann und die Dialogl\u00e4ngen wegen der \u00dcbersetzung teilweise nicht passen, hat man irgendwann angefangen diese Lacher durch Dosenlacher (Lachkonserve) zu ersetzen*. Ganz \u00fcbel ist es dann, wenn die Lacher in der \u00dcbersetzung bei jedem kleinsten geplanten Lacher in schallendes Gel\u00e4chter ausarten, so als ob das Studio sto\u00dfweise mit Lachgas gef\u00fcllt wird. Da f\u00fchlen sich viele Leute schon mal ver\u00e4ppelt, weshalb sie diese Sendungen wegen der Dosenlacher hassen. Doch eigentlich ist dies ein &#8222;\u00dcbersetzungsfehler&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch F\u00e4lle, in denen Dosenlacher absichtlich dem O-Ton dazugemischt werden, da es wohl Studien dazu gibt, dass vorgegaukelten Lacher auf einige Personen anregend wirken und somit auch einsame Fernsehzuschauer mitlachen.<\/p>\n<p><strong>Klang der Sprache \/ Soziokultureller Hintergrund:<\/strong><\/p>\n<p>Da jede Sprache nun mal anders klingt, kann man schlecht eine lyrische Form der Aussprache \u00fcbersetzten. Ich w\u00fcrde z.B. ungerne G\u00f6thes Faust in Englisch lesen, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man dieses Werk \u00fcbersetzen kann und der Gedanke daran, wie ein Sprint vor eine massive Wand ist.<\/p>\n<p>Immer wieder h\u00f6rt man (schrecklicherweise) \u00fcbersetzte Songs, die nur daf\u00fcr geschaffen wurden noch mehr Geld zu verdienen. Nun ja, hin und wieder auch um mehr Leute zu erreichen, aber bitte&#8230;.99 Red Ballons klingt echt bescheiden, wenn man das Original kennt.<\/p>\n<p>Der wirkliche Flair eines Originals wird uns wohl immer verschlossen bleiben, da wir niemals das l\u00e4nderspezifische Wissen haben, was die Leute bewegt, was sie traurig macht, was sie zum lachen bringt usw.. Da wir ja hier leben und auch hier versuchen zu verstehen und nicht am Drehort aufgewachsen sind. Trotz allem kann man sich durchaus an &#8222;Fremden Werken&#8220; erfreuen und versuchen zu begreifen, was die Leute daran jetzt so toll finden. Nehmen wir mal z.B. das thanks giving Fest, was in Amerika einen enormen Stellenwert hat: W\u00fc\u00dfte man nicht, dass dies ein H\u00f6hepunkt des Familienbeieinanders ist, k\u00f6nnte man nicht verstehen, warum dort immer alle zusammen mit ihrer Familie Truthahn essen und warum gerade dieses eine willkommene Einladung f\u00fcr eine Comedy-Serie ist. Selbst mit diesem Wissen ist uns dieser Brauch fremd, da wir diesen niemals erlebt haben, bzw. nicht damit aufgewachsen sind. Oder wenn z.B. in einer englischen Serie von einem K\u00f6nig berichtet wird, so denken wir hier sofort an eine verstaubte Herrschaftskultur, jedoch ist diese Regierungsform dort immer noch recht aktuell.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6gliche Vorteile der Synchonisation:<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorteil der Synchro ist ganz klar die Sprachverst\u00e4ndlichkeit, die wegen einer sauberen Trennung von den Umgebungsger\u00e4uschen h\u00f6her sein kann, da die Originalstimme sich mit der Umgebungsger\u00e4uschen (Athmosph\u00e4re) vermischt. Wenn ich mir z.B. Filme in der Originalsprache ansehe, muss ich oftmals die Lautst\u00e4rke hochdrehen, da sich dort die Umgebungsger\u00e4usche viel st\u00e4rker mit den Stimmen vermischen im Vergleich zur synchronisierten Fassung.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil ist, dass es (sobald dies in kreativer Sicht zugelassen wird) einige Szenen mit weiteren Witzen aufpeppeln kann, falls das Original Stellenweise zu fad ist.<\/p>\n<p>Hin und wieder gibt es auch Synchronsprecher die besser passende Stimmen haben, als die Originalstimmen. Bl\u00f6d ist es z.B. wenn ein Muskelprotz im Original eine recht hohe Stimme hat. Dort kann durch eine brachiale Stimme etwas aufgepeppelt werden.<\/p>\n<p>Eine Tonaufnahme kostet nicht so viel, wie Beispielsweise ein komplette Filmszene in der gleichzeitig hunderte von Personen bezahlt werden, die am Set sind plus die Materialkosten. Lediglich der Sprecher und der Tontechniker bekommt einen Obulus, weshalb dort auch schon mal etwas \u00f6fter wiederholt werden kann. Das Bild ist ja schon im Kasten und darum muss man sich nicht mehr k\u00fcmmern und so bleibt der Fokus nur noch auf den Ton beschr\u00e4nkt. Ich habe auch schon erlebt, dass der Originalton grauenhaft ist und die Synchronisation einen hervorragenden Klang hat.<\/p>\n<p>P.S.: Ich habe mich absichtlich auf Englisch-Deutsche \u00dcbersetzungen beschr\u00e4nkt, da diese hierzulande wohl die meistverbreitetste Form der \u00dcbersetzung ist.<\/p>\n<p>Wer noch weitere Vor- und Nachteile kennt, kann diese ja einfach in den Kommentaren hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Weiterf\u00fchrende Links:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Laugh_track\">Englischer Wiki Artikel \u00fcber Dosenlacher<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Synchronisation_%28Film%29\">Wiki \u00fcber Synchronisation<\/a><\/p>\n<p>* Dosenlacher wurden erstmals 1950 in &#8220; The Hank McCune Show &#8220; eingesetzt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder st\u00f6\u00dft man auf S\u00e4tze, wie &#8222;guck dir das lieber im Original Ton an&#8220; oder &#8222;die Synchronisierung ist total misslungen&#8220;. Doch welche Faktoren spielen hier mit rein? Schauspieler: Im Originalton h\u00f6rt man die Stimmen der Schauspieler. Wenn ein Film in eine andere Sprache \u00fcbersetzt wird, werden andere Schauspieler oder Sprecher in ein Tonstudio bestellt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[41,45],"class_list":["post-613","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedanken","tag-sounddesign","tag-tv-film"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/613\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.randyridder.de\/block\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}